002: Die Herausforderungen der sozialen Arbeit

In meinem Blog zur Nullummer konntet Ihr schon lesen, dass ich mit Euch, neben den herausfordernden Verhaltensweisen unseres Klientels, auch über die allgemeinen Herausforderungen unserer täglichen Arbeit sprechen möchte. Das können ganz persönliche Dinge sein, aber eben auch die großen Themen, die uns alle beschäftigen. Themen wie schlechte Bezahlung, zu wenig Anerkennung, die Herausforderungen durch Schichtdienst und so weiter...


Im Folgenden könnt Ihr Euch ein paar Ausschnitte meiner zweiten Podcast Folge „Die Herausforderungen der sozialen Arbeit“ zu Gemüte führen. Wenn Euch gefällt was Ihr lest, dann hört doch gerne auch in meinen Podcast rein. Ich würde mich sehr freuen!





Umfrage in der Community

Zunächst wollte ich einen Eindruck gewinnen, welche Sorgen bei Euch wohl am weitesten verbreitet sind, weshalb ich schon vor ein paar Wochen eine Umfrage in verschiedenen FB Gruppen durchführte. Die Ergebnisse waren für mich wenig überraschend, aber dennoch fand ich es positiv meine eigenen Eindrücke bestätigt zu sehen. Schön waren auch die zum Teil sehr kontroversen Diskussionen, die durch meine Umfrage entstanden. Unter anderem wurde der Post zum Beispiel dafür kritisiert, dass wieder einmal nur über die aktuelle Situation gemeckert wird, aber am Ende nichts Konstruktives dabei herumkommt. Ich verstehe diesen Post sehr gut und habe mich auch ein Stück weit persönliche angesprochen gefühlt. Ich selbst sehe mich zwar als niemanden, der besonders viel meckert, oder jammert, ich mache meinen Job gerne, habe Spaß bei der Arbeit, jedoch sehe ich auch die Probleme in unserem Arbeitsfeld. Bisher habe ich aber nicht viel getan, um daran etwas zu ändern.

Der Podcast behandelt die meist genannten Themen meiner Umfrage. An dieser Stelle möchte ich gerne die zusammengetragenen Ergebnisse meiner Umfrage veröffentlichen. Es handelt sich dabei um spontane Facebook (FB) Umfragen. Die Punkte, die zur Wahl standen, sind vorherigen FB Diskussionen entsprungen. Ich erhebe hierbei keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit, oder gar eine Repräsentative Wirkung dieser Ergebnisse. Außerdem habe ich mich entschieden aufgrund der Übersichtlichkeit nur die acht am häufigsten genannten Punkte, zu veröffentlichen.


Da ich grundsätzlich ein sehr schreibfauler Mensch bin, schreibe ich in diesem Blog nur über den Punkt der schlechten Bezahlung. Solltet Ihr Interesse an meiner Meinung zu weiteren Punkten haben, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr Euch meinen Podcast anhört.



Eilmeldung!! Wir sind alle Unterbezahlt!

Am zweithäufigsten wurde die schlechte Bezahlung genannt. Aber werden wir tatsächlich so schlecht bezahlt? Also unbestritten gibt es einige Branchen in denen deutlich besser gezahlt wird als bei uns. Wer in der Finanz- oder IT Branche arbeitet, wird in der Regel schon direkt nach der Ausbildung oder dem Studium mehr verdienen als wir. Zumindest haben sie aber deutlich bessere Möglichkeiten Ihr monatliches Einkommen deutlich positiv zu entwickeln. Die Aufstiegschancen sind besser und es gibt häufig andere Möglichkeiten sein Gehalt frei zu verhandeln. Es gibt aber auch Frisöre, Verkäufer, oder Kellner, die deutlich schlechter verdienen als wir. Je nach Arbeitgeber, Region und Berufserfahrung können wir durchaus an ein durchschnittliches deutsches Gehalt herankommen. Problematisch ist aber auch, dass viele von uns gar keinen Vollzeitjob bekommen. In vielen Bereichen des Sozialwesens werden bewusst nur Teilzeitkräfte eingestellt, um die knapp besetzten Dienste im Schichtdienst besser abdecken zu können.

Wenn man nun noch bedenkt wie anstrengend und fordernd unsere Arbeit sein kann Sowohl körperlich, wenn man einen hohen Pflegeanteil hat, als auch psychisch, zum Beispiel im Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen, so darf man wohl durchaus in Frage stellen, ob unsere Gehälter angemessen sind.


Aber... warum eigentlich?

Hier lohnt sich ein kurzer Blick auf die Geschichte. Kurz und knapp zusammengefasst: Soziale Arbeit wurde über große Teile der Geschichte nahezu gar nicht bezahlt. Die Armen und Bedürftigen wurden je nach Epoche sich selbst überlassen, oder ehrenamtlich von den bessergestellten Menschen versorgt. Ganz früher war dies noch eine Religiöse Verpflichtung. Die Reichen halfen den Armen, um sich mit ihrem Gott gutzustellen. Arme waren also eine Möglichkeit das Ticket für den Himmel zu lösen. Im Laufe der Vorindustrialisierung änderte sich das Bild der Armen und Hilfsbedürftigen aber drastisch. Sie wurden nun für Ihre Lebensumstände selbst verantwortlich gemacht. Jeder war nun zur Arbeit verpflichtet. Die ersten Institutionen mussten geschaffen werden, da die Versorgung der Armen und Hilfsbedürftigen keinen Vorteil mehr für den einzelnen Menschen brachte. Soll heißen, die Menschen hatten einfach keine Angst mehr in der Hölle zu landen, weil sie den Armen nicht halfen.

Hilfe wurde letztlich nur noch aus Angst vor Unruhen und Aufständen unterbreitet. Die Tatsache, dass die Versorgung von Bedürftigen Menschen über Jahrhunderte von ehrenamtlichen, ungelernten Menschen durchgeführt wurde und die Pflege und Erziehung innerhalb der eigenen Familie abgedeckt wurde, blieb in den Köpfen der Menschen hängen. Selbst als sich die Arbeitsweisen von Pflege und sozialer Arbeit langsam professionalisierten, handelte es sich anfangs noch immer um ehrenamtliche Tätigkeiten. Sicher war das auch einer der Hauptgründe, warum sich die Fürsorgearbeit von armen, kranken und allgemein hilfsbedürftigen Menschen zu einer Frauendomäne entwickelte. Nun ist es leider noch heute so, dass Frauen durchschnittlich weniger verdienen als Männer und Frauenberufe schlechter bezahlt werden als klassische Männerberufe.

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